Forschungsstand

DIE RELEVANZ DES WORTSCHATZES

Im Kontext des Lehrens und Lernens von Zweitsprachen (ZS) und Fremdsprachen (FS) kommt dem Wortschatz eine besondere Bedeutung zu. Ein Großteil der sprachlichen Informationen ist mit dem Wortschatz verbunden, der unabhängig von den verschiedenen theoretischen Ansätzen als integraler Bestandteil des Sprachsystems zu verstehen ist (Aguado/Warneke 2021). Jedes Element des Wortschatzes ist mit einer Reihe grammatikalischer, semantischer, pragmatischer und semiotischer Informationen verbunden, die der Lernende angemessen und stets im Einklang mit dem Kontext identifizieren und interpretieren können soll (Kühn 2007; Tschirner 2010; Leimbrink 2015; Strank 2020). Nach Battaner Arias und López Ferrero lässt sich feststellen, dass der Wortschatz eine übergreifende Komponente der Sprache ist (2019), die die "grundlegende Bedeutung des durch den Kontext erworbenen Denkens und folglich die Grundlage für die Entwicklung kommunikativer Fertigkeiten und Fähigkeiten in einer Fremd- oder Zweitsprache darstellt" (Rufat/Jiménez Calderón 2019: 230, Original auf Spanisch). Die Entwicklung der lexikalischen Kompetenz steht in engem Zusammenhang mit dem Lehren und Lernen des Wortschatzes. Eines der Ziele besteht darin, dass der Lernende genügend Selbstständigkeit erlangt, um seinen Wortschatz in Rezeptions- und Produktionssituationen zu erweitern, d. h., dass er in der Lage ist, Formen angemessen mit Bedeutungen in Verbindung zu bringen und diese Informationen in einem kommunikativen Kontext zu nutzen.

Diese Kompetenz ist mit dem mentalen Wortschatz verbunden und besteht darin, ein Wort in all seinen Dimensionen zu kennen (Nation 2001; Battaner Arias/López Ferrero 2019). Die Beziehung zwischen den Eigenschaften lexikalischer Einheiten und der syntaktischen Struktur lässt auf die Existenz einer lexikalisch-syntaktischen Schnittstelle schließen. Im konkreten Fall des schriftlichen Ausdrucks, insbesondere auf fortgeschrittenen Niveaus, spielt das Kombinationspotenzial des Lexikons an dieser Schnittstelle eine grundlegende Rolle. So stellt sich beispielsweise die Beziehung zwischen Lexikon und Syntax sowie deren Vermittlung derzeit als ein dynamisches Forschungsgebiet dar. Es wurden bedeutende Fortschritte erzielt bei der Abgrenzung derjenigen Aspekte der lexikalischen Bedeutung, die ein syntaktisches Korrelat besitzen. Zudem wurden nach und nach neue Ansätze zur Sprachverarbeitung integriert, die direkte Auswirkungen auf die digitale Lexikografie, die maschinelle Übersetzung und die Didaktik des Wortschatzes haben. Darüber hinaus bietet die Entwicklung von IT-Tools ein ideales Instrument zur Erstellung und zum Vergleich von Analysen (vgl. de Miguel 2023).

Es zeigen sich jedoch eine Reihe von Defiziten, die neue Horizonte für die hier vorgeschlagene Forschung eröffnen:

  • Verschiedene lexikografische Studien im DaF-Bereich zeigen (Müller-Spitzer 2018; Nied Curcio et al. 2020), dass die Wörterbücher, die die Lernenden üblicherweise verwenden, nur unzureichende Informationen über die Kombinationsmöglichkeiten des Wortschatzes bieten.
  • Es ist eine mangelhafte lexikografische Kompetenz sowie unzureichende Kenntnisse über (halb-)automatische Anwendungen (für Übersetzung, assistiertes Schreiben, Vokabeltraining usw.) seitens der Lehrenden und Lernenden festzustellen (Nied Curcio 2022).
  • Darüber hinaus spiegeln sich diese Fortschritte im Bereich des (halb-)akademischen und beruflichen Diskurses nicht ausreichend wider. Es mangelt an diskursorientierten Untersuchungen zu Verben und deren pragmatisch-semantischen Verwendungen in Texten entsprechend dem Register und Sprachgebrauch (schriftlich, mündlich). Obwohl verschiedene Stilhandbücher, auch für schriftliche und mündliche akademische Kontexte (Spanisch: Aleza Izquierdo (Hrsg.) 2013; Gómez Torrego 2011; Montolío (Hrsg.) 2013; Regueiro Rodríguez/Sáez Rivera 2013; Deutsch: Kruse 2007; Szurawitzki et al. (Hrsg.) 2015; Fügert 2016, Moll/Thielmann 2022; Lange 2017), vorhanden sind, fehlen bislang Studien zur Verwendung bestimmter Verben in all ihren Dimensionen (einschl. der metaphorischen) als Vertreter von Verbklassen im (semi-)akademischen und beruflichen Diskurs (es lassen sich wenige Beispiele wie die folgenden anführen: Spanisch: García Negroni 2008; Deutsch: Brommer 2018).
  • Auch sind diskursorientierte Studien, die verschiedene Sprachen kontrastieren, selten. Konkret für den Vergleich zwischen Deutsch und Spanisch sind wenige Studien zu nennen, beispielsweise von Fernández (2009) und von Contreras Fernández (2021).
  • Insbesondere im Fachsprachenunterricht für Deutsch als Fremdsprache ist ein Mangel an Forschung zur Didaktik der Verben und deren Anwendung in schriftlichen und mündlichen Kommunikationssituationen zu beobachten (Hammrich 2022, 2024, im Druck). Ebenso fehlen Studien, die die Häufigkeit und den Gebrauch von Verben in den gängigen Lehrbüchern analysieren.
  • Schließlich eröffnen Computerlinguistik, Natural Language Processing (NLP) und neue Sprachtechnologien (ST) im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz (KI) neue Herausforderungen in den Bereichen Forschung, Übersetzung sowie Lehren und Lernen (Crespo Miguel/Domínguez Cabrera 2020; Juñoz-Basols/Fuertes Gutiérrez/Cerezo 2024), die es zu erforschen gilt.

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